Theodor Froebel, Entwurf für den Papierwerder in Zürich, 1866; Handelsgärtnerei Froebel

Die Grottenanlage
im Fabrikareal Neuthal

Spendenaufruf zugunsten der Restaurierung der Grottenanlage im historischen Fabrikensemble von Neuthal ZH .

Die Grottenanlage Neuthal

Im Garten des historischen Fabrikensembles von Neuthal befindet sich eine besonders eindrückliche Grotte. Der Besitzer der Fabrik, der Erbauer der Jungfraubahn, Adolf Guyer-Zeller, hatte sie im späteren 19. Jahrhundert gestalten lassen. Es handelt sich um eine Hanggestaltung als Abschluss des Gartens vor dem Fabrikantenhaus. Beidseits der Grotte führen Treppen zu einer Weganlage mit Sitzplätzen empor. Die Szenerie wurde dort einst durch das offen zufliessende Wasser mit einzelnen Becken und einer kleinen Grottennische bereichert.

Grotte Neuthal, Wasserlaeufe

Bäretswil ZH, Historisches Fabrikareal Neuthal. Oberhalb und am Fuss der Grotte sind Wasserläufe erstellt worden. Diese Bäche sollten den bewaldeten Teil der Anlage als „wilde“ Elemente durchrauschen und dann in ein Becken vor der Grotte fliessen. Gegenwärtig kann jedoch kaum noch Wasser zugeführt werden.

Zur Kunst der Grotten in den Landschaftsgärten der Schweiz

Grotten, Grottennischen und Grottenbrunnen

Die Geschichte der künstlichen Grotten in Gärten ist lange und vielfältig. Grotten fanden sich in vielen Gärten der römischen Zeit. An diese Vorbilder der Antike anknüpfend liessen in der Renaissance manche reiche Italiener ihre Gartenanlagen ebenfalls mit Grotten verschönern und auch in den mitteleuropäischen sowie selbst in nördlicheren Ländern waren Grotten bis gegen Ende 17. Jahrhundert als attraktive Bereicherung der Gärten und als kühler Aufenthaltsort an heissen Sommertragen beliebt. Die Architektur war verspielt, die Wände aufwändig mit Tropf- und Tuffsteinen sowie mit Muscheln dekoriert und die Böden da und dort mit Kieselsteinmosaiken belegt. Es gab zudem Grotten die man mit Springbrunnen, besonderen Wasserkünsten und mit Skulpturen ausgestattet hatte.

Grotten Lausanne und Zuerich-Hottingen

Links: Lausanne VD, ehemals zum Park des Landguts Monrepos gehöriges Areal bergseits des Bundesgerichtsgebäudes. Die Felspartie mit der Grotte unter einem Wasserfall und dem sich darüber erhebenden, romantischen Burgturm als Aussichtspunkt liess Vincent Perdonner in den 1820er Jahren offensichtlich aufgrund eines Bildes des Genfer Malers Pierre Louis Bouvier gestalten.

Rechts: Zürich ZH, Grotte im Park der Villa Brandt in Riesbach. Die geräumige Grotte wurde von Grottenmeister Conrad Kreis geplant. Sie hat Öffnungen von verschiedener Grösse sowie einen für die Grottenbauten typischen „Pfeiler. Leider ist der Park zum Teil überbaut worden. Der Ausgang vorne im Bild liegt direkt beim Zaun, der die beiden Areale trennt.

Im Zuge der Landschaftsgartenbewegung des 18. Jahrhunderts wurde die Gestaltung der Grotten allmählich geändert. Sie sollten nun wie natürliche, urtümliche Höhlen wirken und durften deshalb nicht mehr in regelmässigen Formen geplant werden. In vielen Fällen wollte man bewusst Gedankenassoziationen mit den alten, guten Welten hervorrufen, in denen noch Nymphen, Naturgeister oder auch Eremiten und Heilige zuhause waren. Nicht selten wurden Grotten – oder auch Parkinseln – nach Kalypso, der Nymphe, die Odysseus liebte, benannt. Kalypsos weiträumige, von einem Weinstock umrankte Grotte befand sich in einem Hain von Pappeln, Erlen und Zypressen, wo vier Quellen hervorsprudelten. Der ganze Anblick mit den Bächlein, die sich durch eine Wiese schlängelten war so reizend, dass – nach Homer – selbst Hermes dort bewundernd stehen blieb.

Grotte Schloss Hünegg

Hilterfingen BE, Schloss Hünegg. Die Grotte im Park ist unterhalb des Schlosses in den Hang hinein gebaut worden, wie dies für Grottenbauten des 19. Jahrhunderts in der Schweiz recht üblich war. Auf der linken Seite Reste der Stufen des Wegs, der wie vieleorts über die Grotte hinaufstieg.

Grotten werden vor allem als ästhetisches Element geschätzt

Im 19. Jahrhundert waren den Gestaltern von Gärten in der Schweiz die Grotten vor allem als ästhetische Elemente wichtig. Die Wertschätzung aufgrund historisch-philosophischer Gedankenverbindungen, wie in der ersten Phase der landschaftlichen Gärten, verblasste rasch. Sie spielten vielleicht noch bei der Ausgestaltung einiger früher Grotten, wie beispielsweise im Park des Württemberger Hofs in Basel aus den 1820er Jahren eine Rolle. Bei der Gestaltung des Äussern dieser Grotte hatte man römerzeitliche Säulenfragmente aus Augst verwendet. Die etwa zeitgleiche Felsenanlage mit Grotte, Wasserfall und einer krönenden Burgruine mit Turm im Lausanner Park Monrepos - jetzt Areal des Bundesgerichts - wurde hingegen schon gemäss den natürlich-pittoresken Gestaltungsprinzipien jener Zeit und wohl ohne bestimmte sinnbildliche Absicht erstellt.

Des Öfteren sind die Grotten des 19. Jahrhunderts Teil einer Anlage mit Bassins, Springbrunnen, Tümpeln, Teichen, Bächen, Wasserrillen oder mit kleinen Wasserfällen. Wasser war ein wesentliches Element in den landschaftlichen Gärten. Neben den eigentlichen Grotten, die da und dort als schattige, geschützte Sitzplätze gebraucht werden konnten, wurden in den Gärten auch viele grottenartig gebildete Wandbrunnen sowie mit Tuffsteinen verkleidete gewölbte Nischen erstellt. Die Grottenbauten brachten Abwechslung in die Gartenszenerien, schufen Kontraste zu den Blumenbeeten wie auch den blühenden Sträuchern und vermittelten einen Hauch von Wildnis, wenn sie senkrechten, gefährlichen Felswänden mit Höhlen nachgebildet waren. In einigen, auf ebenem Terrain angelegten Landschaftsgärten liess man grössere, begehbare Grotten erstellen, wohl um den Anlagen eine etwas dramatischere Stimmung zu verleihen. Beispiele dafür sind die Grotten im  Bally-Park in Schönenwerd und im Garten der Villa Alma in Männedorf.

Bally-Park, Schoenenweerd AG

Schönenwerd AG, Bally-Park. Die Grotte liegt direkt am Ufer eines Teichs. Wer sie von hinten betritt, sieht die glitzernde Wasserfläche durch drei grosse „Fenster“ schön eingerahmt. Die Spiegelungen des Wassers bringen auch Licht in die Grotte.

Männedorf ZH, Park der Villa Alma. Die Grotte ist auf dem ebenem Parkgelände am Zürichsee als künstlicher Felshügel erstellt worden. Zwei Gartenwege hat man durch die Grotte geführt, womit die erstrebte Abwechslung der Szenerie sichergestellt wurde.

Männedorf ZH, ehemalige Fabrik Staub-Terlinden und Villa Alma. Auf dem Prospekt der Lederfabrik aus dem frühen 20. Jahrhundert ist im Park der Fabrikantenvilla der Grottenhügel mit dem Pavillon darauf zu erkennen (oberhalb Segelschiff).

Eine Grotte konnte aus verschiedenen, kleineren und grösseren, unregelmässig gestalteten Räumen mit Fensteröffnungen bestehen, aus denen man schöne Ausschnitte des Gartens oder der sich dahinter erstreckenden Landschaft wie Bilder einer verheissungsvollen, andern Welt sah. An heissen Tagen luden die grösseren Grotten zum Verweilen ein. Es sagt der Apotheker in J. W. Goethes Epos „Hermann und Dorothea“:

„Wem ich den Kaffee dann gar in dem herrlichen Grottenwerk reichte,
das nun freilich verstaubt und halb verfallen mir dasteht,
der erfreute sich hoch des farbig schimmernden Lichtes
schön geordneter Muscheln; und mit geblendetem Auge
schaute der Kenner selbst den Bleiglanz und die Korallen.“

Die Hanglagen, die früher für die Gestaltung der Gärten in der Schweiz als hinderlich empfunden worden waren, boten besonders gute Möglichkeiten für den Bau von Grotten. Wir sehen das etwa in den Parkanlagen der Villa Bellerive in Luzern, des Schlosses Hünegg in Hilterfingen oder bei der bereits erwähnten Grotte oberhalb des Bundesgerichtsgebäudes in Lausanne. Der nüchterne, hohe Sockel eines Hauses oder eines Gartenpavillons, auch die als allzu geradlinig empfundene Terrassenmauer oder Stützwand konnten mittels grottenartigen Nischen verschönert und besser mit dem landschaftlichen Garten verbunden werden.

Luzern LU, Villa Bellerive. Der Vorplatz vor dem Haupteingang ist gegen den Hang durch einen Bogengang abgeschlossen, dessen vordere Pfeiler mit Rosen berankt sind. Der höhere, zentrale Raum ist hinten gegen einen Grottenbrunnen am Hang geöffnet.

Villa Bellerive LU

Luzern LU, Villa Bellerive. Dekorative Grottennische auf der Mittelachse der Villa Bellerive in Luzern. Die Nische wurde in den 1880er Jahren konzipiert und erinnert wie die Villa selbst an italienischen Vorbildern aus der Zeit der Renaissance.

Pfeiler in Grotte der Villa Bellerive LU.

Luzern LU, Villa Bellerive. Blick in das Innere der begehbaren Grotte auf der Terrasse unterhalb der Grottennische des obigen Bilds.

Grottenmeister

Der guten Eingliederung der Grotten und Grottennischen in die Gartenanlagen wurde im 19. Jahrhundert viel Aufmerksamkeit geschenkt. Man diskutierte passende Bauweisen und die richtige Wahl der Materialien. Die verwendeten Steinarten mussten möglichst den Eindruck einer natürlichen Höhle hervorrufen. Tuffstein war sehr beliebt, aber auch Tropf- und Schwammsteine und insbesondere Stalagmiten und Stalaktiten. Die Weesener Firma Jacques Furrer & Cie und die Lägernsteinbruch AG lieferten Grottensteine. Die Genfer Firma P. Poujoulat Fils offerierte den Bau von Grotten und Felspartien aus „Tuff- oder Waldsteinen“. Die grossen Kosten für die Beschaffung und den Transport des Steinmaterials führten dazu, dass es auch begonnen wurde, künstliche „Grottensteine“ herzustellen. Die Genfer Firma Vincent Arnaudo arbeitete dabei offensichtlich mit Zement und in den Gartenbauzeitschriften der Zeit finden sich Anleitungen dazu, wie man aus Steinkohleschlacken selber Grottensteine herstellen kann.

Das Interesse für Grotten und Felsenanlagen führte dazu, dass einige Landschaftsgärtner sich  auf die Erstellung solcher Bauten spezialisierten, so der Basler Henry Theiler und der Schwyzer Xaver Steiner wie auch die Firmen Aristide Cormier, Gebr. Chaudet und die erwähnte Firma von V. Arnaudo.  Diese Spezialisten hatten an den Gartenbau-Ausstellungen von Genf und Montreaux Grottenbauten präsentiert. In Zürich gab es gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Grottenmeister Conrad Kreis (1832-1897). Er war zunächst lange ein Mitarbeiter des Gartenarchitekten Evariste Mertens, machte sich dann aber selbständig. Er erstellte für die Kantonale Gartenbau-Ausstellung von 1887 in Zürich eine Grotte, deren Wasserverteilung nach einem Pressebericht besonders wirkungsvoll war. Im gleichen Jahr baute er im Garten der Villa Grünau in Kennelbach (Vorarlberg) einen grossen Teich und eine Tropfsteingrotte mit mehreren Räumen. Im Park der Villa Brandt in Zürich gibt es eine von Kreis konzipierte grössere Grotte mit einem Wandbrunnen und am gleichen Ort auch eine elegante kleine Wandgrotte mit Bassin. Der Brunnen zur Speisung des Beckens befindet sich auf dem Grottengewölbe und der Fluss des Wassers wird so reguliert, dass es nur langsam an der hintern Wand herunterträufelt. Diese Einrichtungen entsprechen der üblichen Gestaltung von Grotten des 19. Jahrhunderts. Man schätzte es sehr bei den Grotten das leise Murmeln oder Tropfen des Wassers zu hören.

Sorgfältige Auswahl der Bepflanzung

Beim Unterhalt der Grotten wird heute meist zu wenig beachtet, dass einst viel Mühe für eine passende Bepflanzung aufgewendet wurde. Oft wurden verschiedene Arten von Saxifraga (Steinbrech) und Sedum (Fetthenne) gepflanzt, sowie Farne und Efeu an den schattigen Stellen. Mesembryanthemen wurden wegen ihren leuchtenden Farben in die Ritzen und Spalten zwischen den Steinen gesät oder gesetzt und Crassula (Dickblätter), die damals eine Art „Sammelobjekte“ darstellten, reservierte man für die heissen, trockenen Stellen auf den Grottengewölben. Diese mehrheitlich südafrikanischen Pflanzen wurden in Gewächshäusern überwintert. Natürlich kamen bei der Gestaltung der kleinen Idyllen auch weitere einheimische Pflanzen zur Verwendung. Schilderungen wie diejenige von ETH Professor Arnold Dodel-Port, der in seinem Garten am Zürichberg einen kleinen Teich nebst einer nischenförmigen Grotte angelegt hatte, vermitteln uns einen Eindruck von der Liebe mit der solche Anlagen gestaltet wurden, auch wenn sie da und dort eine recht einfache Bepflanzung erhalten haben dürften:

„Ganz reizend gestalten sich jeden Sommer die fadendünnen Erdbeer-Ausläufer unserer gemeinen Walderdbeere, welche von den höheren Partien der Grotte herunterhängen in die Atmosphäre über dem Wasserspiegel. Jeder Windhauch bringt diese meterlangen, lebendigen, von Strecke zu Strecke mit Blattbüscheln verzierten Fäden in pendelnde Schwingungen. Werden dann da und dort noch einzelne Halme und Blätter von Gräsern und Rietgräsern durch fallende Wassertropfen in elastisches Beugen und Neigen versetzt; kommen endlich noch grosse, farbenschillernde Libellen, die sich jeden Sommer hier einstellen und auch an Ort und Stelle fortpflanzen, hinzu, um schwirrend über den Wasserspiegel ihre Reigen auszuführen, so haben wir da ein Stück vielgestaltigen Naturlebens vor uns, wie es die natürliche Idylle nicht schöner zu bieten vermag.“ (Schweizerischer Gartenbau 1897)

Salenstein TG, Park des Schlosses Arenenberg. Die nischenförmige Grotte zu der Wasser herunterrieselt belebt die Szenerie am Fuss einer etwas nüchternen Felswand. Links im Bild die wiederhergestellte, sogenannte Eremitage.

Bedauerliche Vernachlässigung der Grottenanlagen

Die Felsanlagen beanspruchten oft viel Platz und wenn jüngere Besitzergenerationen sie nicht mehr attraktiv fanden, liessen sie die Grottenbauten nicht selten kurzerhand abtragen, zumauern oder zuschütten. Viele Grotten wurden auch einfach dem Verfall und der Verwilderung überlassen. Gewöhnlicher Efeu überwucherte die Steinformationen, die man anfänglich nur spärlich aber mit ausgesuchten Pflanzen zu begrünen pflegte. Die von den Landschaftskünstlern angestrebte und erzielte pittoreske Wirkung ging verloren.

Nun gibt es aber erfreulicherweise doch Anzeichen dafür, dass alte Gärten mit authentischen Elementen wieder mehr geschätzt werden, als noch vor kurzer Zeit und dass damit auch das Verständnis für die Grotten als wichtige, erhaltenswürdige Anlagen wächst. Im Jahr 2007 wurde zum Beispiel die „Grotte der Eugénie“ im Garten des Schlosses Arenenberg wieder entdeckt, freigelegt und samt der Felswand, in die sie eingelassen ist, instand gesetzt.

Eeva Ruoff

Titelbild: Bäretswil ZH, Historisches Fabrikareal Neuthal. Der relativ steile, aber nicht übermässig hohe Hang hinter dem Garten des Fabrikantenwohnhauses  ist sehr gekonnt zu einem vielseitigen Grotten-Ensemble ausgestaltet worden. Im Bild die „Fassade“ der grossen begehbaren, aber restaurierungsbedürftigen Grotte.